30 Jahre Deutsch-Österreichische Gesellschaft – Freundeskreis Passau-Krems
Jahresempfang in der Heilig-Geist-Kirche mit Ehrung der Gründungsmitglieder, mit vielen Vertretern der Passauer-Städtepartnerschaftsvereine und einer Festrede des Göttweiger Altabtes Columban Luser, die die Zuhörer in ihren Bann gezogen hat.
Eindrucksvoll zeigte er die jahrtausende alte Verbindung auf, die für ihn nicht erst bei Bischof Altmann im 11. Jahrhundert sondern bereits mit dem Heiligen Severin im 6. Jhd. begann. Nach den furchtbaren Weltkriegen im 20. Jhd. sind wir nun gute Nachbarn – politisch, kulturell und wirtschaftlich, so der Altabt. Und doch sind die Fragen zu stellen, so der Festredner: „Was eint uns? Was hält uns zusammen? Sind wirtschaftliche und rein politische Interessen ausreichend, um Einheit zu leben? Braucht es mehr? Ist der Glaube etwas Verbindendes? Kann der Glaube als verbindende Achse betrachtet werden – oder ist das Illusion? Mit Sorge betrachtete der Altabt dabei die Verschiebungen in der konfessionellen Landschaft durch Migration und Emigration und zitierte Henri Boulard der sagte „Ich fürchte nicht die Stärke des Islam, sondern die Schwäche des Christentums“.
Dabei bezog er sich auf die Uneinigkeit der Kirche in Deutschland aber auch darauf, dass ein „christlicher“ Glaube, wie er derzeit anzutreffen ist, der nicht selten „esoterisch“ durchsetzt ist und von einem „a-personalen Gottesbild“ geprägt ist, der da und dort „Patch-work-Züge“ an sich trägt, schwerlich eine verbindende tragende Achse wird sein können. Ein solcher Glaube, so Columban Luser wird keine gestalterische Kraft im europäischen Konzert der EU sein können. Die Kirche wird sich neu finden müssen – strukturell und inhaltlich. In Anlehnung an den Dogmatiker Gisbert Greshake wird die Kirche von morgen klein sein, eine Kirche von Laien und sie wird sich deutlich mystischer ausrichten. Wohin soll und kann es deshalb mit Europa gehen? Im Sinne seiner benediktinischen Wurzeln ist Europa immer noch ein sehr junges Projekt. Aber Europa ist alternativlos, so der Altabt. Die Uneinigkeit ist eine große Gefahr für Europa, weil große Themen nur kontinental, wenn nicht sogar global gelöst werden können – ob Klima, Migration oder Pandemien.
Eine zunehmend hedonistisch-materialistische Grundhaltung kann für Europa, für die Demokratie und für die Würde und die Freiheit des Menschen gefährlich werden. Der Festredner appellierte an den Wert der Nächstenliebe und an Offenheit und Transzendenz. Wo ein politisches System oder eine Kultur seine Türen zu Gott verschließt und Gott vergisst, ist zu befürchten, dass über kurz oder lang auch die menschliche Person nicht angemessen respektiert wird. Im Sinne des heiligen Benedikt empfahl er die Goldene Regel, wie sie Jesus in der Bergpredigt formuliert hat: „Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen.“ In diesem Sinne schloss er mit dem Wunsch, dass unser europäischer Raum ein menschenfreundlicher, lebensbejahender und lebenswerter Raum sein und bleiben möge.
Eine Rede, die in seiner Grundsätzlichkeit viele Zuhörer aufhorchen lies.
Ich dankte ihm in meiner Eigenschaft als Präsident der Deutsch-Österreichischen Gesellschaft für diese Weite und Tiefe seiner Betrachtungen.
Ich bedankte mich bei unseren Gründungsmitgliedern, die damals von Adi Hiendl und Erich Hackl motiviert worden sind. Mit dabei waren beim Jahresempfang Günter und Maria Albrecht, Gerd und Christl Brunner, Manfred und Gerda Eichberger, Erich Hackl, Krems, Sabine Scherbel-Ribbentrop,Prälat Erich Baumann, Ursula Maria Anna Karl und Ursula Kobler. Ich dankte aber auch unserer Ehrenpräsidentin Gerdi Wösner-Brügel, unserer Vizepräsidentin Anna Wegl und Ehrenmitglied Erich Hackl aus Krems für ihre erfrischenden Redebeiträge. Ich habe mich auch über die Teilnahme der Vertreter der anderen Städtepartnerorganisationen gefreut. Mit dabei waren die Bayerisch-Böhmische Gesellschaft mit Vorsitzendem Roland Pregler, die Deutsch-Italienische Gesellschaft mit Vorsitzender Maria Rosa Iacono-Schwarz, die Deutsch-Spanische Gesellschaft mit Vorsitzender Patricia Vasquez, die Städtepartnerschaft Hals/Scurcola Marsiciana, der Deutsch-Ungarische Freundeskreis und die Deutsch-Iranische Gesellschaft mit Simin Rastegar. Dank an Bürgermeister Andreas Rother für seine schönen Worte, an die Stadträte Dr. Steffi Wehner und Prof. Dr. Holm Putzke, an Kulturamtsleiter Horst Matschiner und vor allem auch an die Passauer Goldhaubenfrauen mit Katrin Vogl an der Spitze.
Mit Heilig-Geist-Wein und einer Stärkung stand man noch lange beisammen und feierte den gelungenen Empfang und 39 Jahre Vereinsgeschichte.
Text: Georg Steiner